Wege, die sich kreuzen

Tommi Kinnunen

1996, Lahja liegt im Sterben. Sie blickt auf ein langes Leben zurück, das zurückreicht bis zum Anfang des Jahrhunderts. Verhärtet ist sie, so gar nicht erfüllt wirkt ihr volles Leben. Der Roman, der eine Familiengeschichte über drei Generationen erzählt, beginnt mit Maria, der Mutter von Lahja. Sie reist um 1895 als junges Mädchen mit Hebammendiplom nach Nordfinnland und setzt sich mit ihren modernen medizinischen Erkenntnissen nach und nach in der archaischen Welt der Wehmütter durch.
Ebenso stark ist ihre uneheliche Tochter, Lahja, die Fotografin wird. Sie will im Gegensatz zu Maria jedoch nicht alleine mit ihrer unehelichen Tochter Anna leben, und so heiratet sie den herzensguten und umsorgenden Onni. Im Zweiten Weltkrieg wird Onni eingezogen. Die Familie muss derweil in den Westen fliehen. Auch nach dem Ende des Krieges ist das Leben hart. Onni und Lahja bauen sich mühsam ein grosses Haus, nachdem dasjenige von Maria von den Sowjets abgebrannt worden ist. Doch die beiden führen keine glückliche Ehe, Onni kann Lahja nicht geben, was sie sich wünscht. Und so geschieht etwas, was das fragile Familiengefüge vollkommen auseinanderbrechen lässt.
Nach dem Tod von Lahja findet Kaarina, ihre Schwiegertochter, einen Brief auf dem Dachboden, der von einer Familientragödie berichtet, die bereits hundert Jahre zuvor bei Maria ihren Anfang nahm.
Der Roman wird aus der Perspektive von vier Hauptpersonen in einem lakonischen Stil und in kurzen Sätzen erzählt. Vieles bleibt ungesagt und doch schafft es Tommi Kinnunen mit wenigen Strichen ein differenziertes Bild seiner Figuren zu zeichnen. Dieses Buch möchte ich Leserinnen und Lesern empfehlen, die starke Figuren und auch deren Schattenseiten mögen. Ein starkes Buch, ein gutes Buch!

Beatrix Stuber

DVA, 336 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-421-04771-7

CHF 28.90