Leiser Tod

Garry Disher – Leiser Tod

Garry Disher

Hal Challis ermittelt in «Leiser Tod» mit seinem kleinen, unterbesetzten Team zum sechsten Mal. Sein Revier ist die Mornington Peninsula südlich von Melbourne. Hier wohnen Neureiche in Protzvillen, dubiose Kunsthändler, aber auch Schrotthändler, Farmer und Fischer.

Während Ellen Destry, seine Partnerin, in Europa ausgerechnet eine Weiterbildung über Polizeiarbeit bei Sexualverbrechen besucht, treibt ein Vergewaltiger in Polizeiuniform auf der Peninsula sein Unwesen. Disher beleuchtet meisterhaft den offenen und latenten Sexismus der Ermittler, die Frauenverachtung, aber auch den schüchternen Respekt der Kriminalisten vor den vergewaltigten Opfern. Derweil nähert sich ein Bankräuber Waterloo und fordert das Team um Challis weiter heraus.

Gespiegelt wird diese Szenerie in einer Parallelhandlung um die professionelle Einbrecherin Grace. Die junge Diebin, die heimliche Hauptfigur dieses Romans, ist seit Jahren auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mentor. Disher zeichnet sie als zweigespaltene Figur: clever und gerissen als Verbrecherin, immer imstande einen Plan B zu improvisieren, aber zugleich grossherzig, entschlossen und humorvoll, spiel- und heroinsüchtig, zwar Opfer einer mitleidlosen Gesellschaft, aber niemals wehleidig.

Disher entwickelt die verschiedenen Erzählstränge in langsamem Tempo, welches er gegen Ende erhöht und die verschiedenen Handlungsebenen raffiniert verzahnt.

Dieser Kriminalroman hat mir deshalb besonders gefallen, weil der Autor nicht in erster Linie auf Action und Spannung in hohem Tempo fokussiert, sondern weil er ein Sozialpanorama des Vorstadtgebietes um Melbourne auslegt, das präzise, bitter-lakonisch und humorvoll zugleich ist.

Beatrix Stuber

Unionsverlag, 
352 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-293-00528-0

CHF 31.00