In guten wie in schlechten Tagen

Tayari Jones

Es könnte sein, dass dies mein Lieblingsbuch der Frühlingsneuheiten 2019 wird. Die Geschichte der Liebe zwischen Celestial und Roy wird aus verschiedenen Perspektiven der Figuren eindringlich erzählt. Der Gefängnisaufenthalt von Roy stellt das junge Paar auf eine harte Bewährungsprobe, an dem es zu zerbrechen droht. In ihrem Briefwechsel wird das allmähliche Auseinanderdriften der beiden Liebenden deutlich. Sowohl die verschiedenen Perspektiven als auch die Briefe verhindern, dass der Leser bzw. die Leserin Partei ergreift. Vielmehr zeigen diese die Facetten auf, die die Veränderung der Liebesbeziehung durchläuft. Auch Andre, der Jugendfreund von Celestial, erhält eine Stimme, die das Beziehungsdreieck beleuchtet und vertieft.
Auch wenn der Rassismus gerade nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit der Erzählenden steht, sondern das Beziehungsgeflecht der „American Marriage“ (engl. Originaltitel) durchleuchtet wird, scheint jener als Subthema auf jeder Seite durch, unaufdringlich, aber immer da. Da gibt es einen sprachlichen gesellschaftlichen Code der Afroamerikaner, den Westeuropäer nicht wirklich verstehen, der beim Lesen aber auffällt. Dennoch fühlt man sich als Leser oder Leserin den drei Hauptfiguren sehr nahe. Man wünscht Roy, Celestial und Andre nur das Beste, hofft mit ihnen, scheitert, fiebert mit ihnen. Ehrlich gesagt, dieses Buch und diese Figuren liebe ich einfach.

Beatrix Stuber

Arche Literatur Verlag, 352 S., gebunden
ISBN 978-37160-2776-9

CHF 30.50